28.10.2011 EnergieWendeTage Stadt und Region Freiburg

Am 28. und 29. Oktober 2011 fanden die ersten EnergieWendeTage für die Stadt und Region Freiburg statt.

Im Café Velo berichtete am Freitagabend Dr. Peter Moser (deENet, Kassel) über Regionen und Städte im Wandel, insbesondere 100% erneuerbare
Energien-Regionen, Dr. Peter Moser bei den EnergieWendeTagen 2011aktuelle Entwicklungen und erfolgreiche Beispiele (wie machen es die anderen?)

 

Am Ende seines Vortrages wagte er eine SWOT-Analyse für die Region Freiburg als 100% EE-Region (Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken).

Die Region Freiburg war eine frühe Starter-Region - ist aber noch größtenteils im Startblock verharrt. Was sehr gut entwickelt ist, ist das Image der Stadt und weniger einzelner Gemeinden als Sonnenregion mit hervorragenden Leuchtturmprojekten, auch gibt es besonders viele Aktivitäten aller Art, aber die konkrete Umsetzung der Energiewende, speziell der Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz und der Energieeinsparung verläuft viel zu langsam. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde diese Kritik konstruktiv aufgenommen.

Podium EnergieWendeTage 2011

Die Idee der EnergieWendeTage war es ja auch, das vorhandene Potenzial an Engagement und KnowHow, das in Stadt und Region eindeutig in großem Umfang vorhanden ist, zu kanalisieren und konkrete Schritte zu entwickeln, um aus den Startblöcken heraus zu kommen.

Die Vortragsserie am Samstag bot im Rahmen des Samstags-Forums Regio Freiburg einen tieferen Einblick in die Schwerpunkte und auch Hürden für die Aktivitäten Freiburger und regionaler Bürger-Initiativen.

Andreas Markowsky von der Ökostrom Erzeugung Freiburg GmbH betonte, dass die anderen Belange, wie der Naturschutz, bei der Planung von Erneuerbaren Energien-Anlagen berücksichtigt werden müssen, aber nicht überbewertet werden dürfen mit der Folge, dass alle zwar den Ausbau befürworteten, aber nicht im eigenen Umfeld.

Aktuell seien immerhin in der Region Freiburg mehrere Dutzend Windkraft-Projekte in Planung.

Christian Neumann von der Energieagentur Regio Freiburg berichtete über Bioenergiedörfer und die Bioenergie-Region im Südschwarzwald. Ein kritischer Punkt, auf den geachtet werden muss, ist die Priorität der Energieeinsparung vor weiteren Schritten. So dürfe die Belieferung mit relativ günstiger Wärme aus regionaler Biomasse oder durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme anschließend in BHKWs nicht dazu führen, dass Wärme verschwendet werde.

Die Mobilitätswende als wichtiger Bereich der Energiewende (Verkehr verbraucht 30% der fossilen Energien) war das Thema von Hannes Linck, der für den VCD Freiburg vortrug. Die vorrangige Verringerung von Individualverkehr ist dabei vor einer Umstellung auf Elektrofahrzeuge ein zentrales Thema. Mehrere Dutzend Vorschläge und Forderungen mit dem Effekt, dass andere Fortbewegungsarten komfortabler und naheliegender werden als das eigene Auto zu nutzen aber auch mit dem Ziel eines insgesamt geringeren Mobilitäts- und Transportaufkommens liegen bereits vor und sind teilweise sehr einfach umzusetzen, wie beispielsweise die Veränderung der Ampelschaltungen zugunsten der Fußgänger.

Vortragsreihe EnergieWendeTage / Samstagsforum

Für Energie-Hunger Nein-Danke, eine Initiative beim Eine Welt Forum Freiburg, sprach sich Nik Geiler für ein Importstopp von Überseebiomasse aus und regte an, dass wir lernen müssen, mit weniger glücklicher zu werden.

Dieter Seifried für das Freiburger Büro Öquadrat forderte, die Einsparpotenziale zu nutzen und stellte einige wirksame Beispiele vor. Konsequente Energieeinsparmaßnahmen im Wärme- und Strombereich können sich mit einer Rendite von 6-7% durchaus mit anderen Investitionen messen. Den Austausch von energiefressenden Heizungs-Pumpen bieten Energieanbieter in Aktionen als sog. Performance Contracting an.

Zum Abschluss stellte Jörg Lange das Schweizer Modell der 2000Watt-Gesellschaft vor sowie kurz zwei Mikro-BHKWs in Freiburger Passivhäusern und forderte außerdem ein Freiburger Papier zum aktuellen Entwurf der Novellierung des KWK-Gesetzes, dessen teilweise sinnvolle Neuerungen ohne Bürgerappelle wahrscheinlich wieder herausfallen werden.

Nach einem kleinen Empfang im Café Velo aus Anlass des 5-jährigen Jubiläums des Samstags-Forum Regio Freiburg von ECOtrinova e.V., Universitäts-u-asta und zahlreichen Partnern sowie einem Mittagessen mit anregenden Gesprächen folgte eine moderierte Publikumsdiskussion mit Rednern des Vormittags, ergänzt um Alexander Sladek von den „Stromrebellen“ EWS Schönau/Schwarzwald.

 

In der Diskussion kristallisierte sich Kraft-Wärme-Kopplung, die auch mit erneuerbaren Energien (Biogas, Holz, EE-Gas) betrieben werden kann, als Schwerpunkt heraus, der auch das abschließende Forum der Vereine und Initiativen bestimmte.

 

Dieses schloss mit der gemeinsamen Zustimmung der vertretenen Initiativen zum Energiewende- und Klimaschutz-Manifest für die Region Freiburg vom 28.04.2010. Außerdem wurde beschlossen, stärker gemeinsame Interessen auch gemeinsam zu vertreten beispielsweise Richtung Stadt und Landkreise oder bei der Einmischung in Gesetzesinitiativen.

Georg Löser(Klimabündnis Freiburg und ECOtrinova) wies die Versammelten darauf hin, dass über allen guten Energiewende-Aktivitäten das Hauptproblem der Region schwebe, nämlich das Atomkraftrisiko u.a. des Atomkraftwerks Fessenheim/Rhein. Das könne weiterhin die Aktivitäten und auch das Leben in der Region beenden. Löser definierte 12 beispielhafte Kampagnen für alle und beschrieb Energie-Autonomie als „Ausgang der Menschen aus der Abhängigkeit von Energie-Konzernen und fernen Energiequellen“.

Veranstalter der EnergieWendeTage waren das Netzwerk EnergieWende-Klimaschutz Regio Freiburg, das Klimabündnis Freiburg und die Träger des Samstags-Forum Regio Freiburg, mehr: u.a. www.ecotrinova .de

Manifest

Vortragsdateien